Wenn der Bürgermeister der grünen „Gartenstadt“ träumt, dann träumt er immer öfters rot!
Und das hat keineswegs damit zu tun, dass er als SPD-Mitglied seit der Wende die Geschicke seiner Stadt bestimmt.
Vielmehr sieht Jürgen Bigalke etwas Rotes auf Rädern, und dafür möchte er gerne die Signale auf Grün stellen. Denn Bigalke träumt davon, dass seine prosperierende Stadt ans Berliner S-Bahn-Netz angeschlossen wird. „Der derzeitige Stand der Planung geht davon aus, dass 2009 endlich wieder die S-Bahn bei uns halten wird. Gleichzeitig treten wir dafür ein, dass der Regionalbahnverkehr nicht weiter eingeschränkt wird.“
Da trifft es sich gut, dass die Stadt im Rahmen ihrer neuen Sanierungssatzung gerade dabei ist, den Zentrumsbereich mit Fördermitteln weitläufig zu verschönern.
„Wir setzen dafür einen Gesamtzeitraum von 15 Jahren an. Die Fördermittel stehen privaten und öffentlichen Investoren gleichermaßen zur Verfügung“, erklärt Gabriele Kohout als Leiterin des Stadtplanungsamts.
Beim Rundgang zeigt Jürgen Bigalke, wie das neue Falkensee aussehen soll. Gerade das Bahnhofsumfeld steht im Fokus. Im südlichen Bereich ist am Ende der Finkenkruger Straße bereits ein schmucker Park & Ride Platz mit reizvoll gepflasterten Parkbuchten und viel Grün entstanden. Leider scheinen die Radfahrer mit den pfiffigen Fahrradständern noch nicht richtig klarzukommen, was Bigalke sichtbar ärgert. An der Finkenkruger Straße selbst wird gerade mächtig gebaut. Die Stadt sorgte für neues Pflaster und für einen behindertengerechten Zugang zum Bahnhof. Sie kämpft mit der Bahn um die Erlaubnis, den Bahnsteig überdachen zu dürfen, damit die Falkenseer nicht im Regen stehen müssen. „Wir übernehmen die Aufgaben der Bahn und müssen auch noch darum betteln, das tun zu dürfen“, umreißt Bigalke die durchaus kuriose Situation.
Auf die Rathausseite des Bahnhofs gelangt man durch eine Fußgängerunterführung. Noch kommt man schnurgerade in die Bahnhofstraße, die in der Verlängerung zum Rathaus führt.
Das letzte Stück der Bahnhofstraße ist für den allgemeinen Verkehr gesperrt, überall
stehen Fahrräder kreuz und quer. Busse und Taxis drängeln sich durch den schmalen Streifen. Sehr attraktiv sieht das nicht aus. Deshalb soll dieses Stück nun ganz gesperrt und begrünt werden. Der Tunnelausgang würde in die Bahnstraße verlegt. Von dort aus wird ein Weg zum Gutspark und damit zum Zentrum geschlagen. Gegenüber soll ein direkter Zugang zum Bahnsteig entstehen. „Parallel zu den Bahngleisen wird die S-Bahn-Trasse verlaufen“, schwärmt der Bürgermeister.
Unverständnis äußert er darüber, dass Falkensee mit ansehen muss, wie das ehemalige Mitropa-Gebäude vergammelt: „Statt das Haus verfallen zu lassen, könnte es die Bahn an die Stadt geben. Wir würden etwas daraus machen.“ Aber vielleicht kommt bald der Durchbruch, denn Jürgen Bigalke hat sich bereits mit Bahnchef Hartmut Mehdorn verabredet. Der soll nach Falkensee kommen, denn dort hat man ein weiteres Sorgenkind: „Der frühere Güterbahnhof steht seit nunmehr zehn Jahren leer und verwahrlost zusehends. Wir könnten das Gelände gut für eine weitere Park & Ride-Stellfläche gebrauchen“, so Bigalke weiter.
Woher hat die Stadt eigentlich die Mittel für so viele Grundstückskäufe? Schwimmt Falkensee im Geld? „Meine Meinung ist, dass wir Grundstücke verkaufen sollten, die der Allgemeinheit nichts nützen. Dafür sollte wir Grundstücke erwerben, von denen die Öffentlichkeit auf Dauer profitiert.“ So ist es konsequent, dass die Stadt das Gammelgrundstück Ecke Bahnhofstraße-Falkenhagener Straße ersteigert. Der Abriss soll schon bald erfolgen, auch das Haus dahinter, das ebenfalls ein Schandfleck ist, möchte Bigalke erwerben. Zusammen soll das Areal dann einen Grünzug bilden, der den früheren Löschteich einschließt und einen freien Blick vom Rathaus bis zur Kirche ermöglichen soll. Denn der Falkenhagener Dorfkern ist ebenfalls Sanierungsgebiet und soll ein zentraler Anziehungspunkt werden. Zugleich ermöglicht die Umgestaltung eine Entschärfung des Nadelöhrs, den die Kreuzung Falkenhagener Straße Bahnhofstraße darstellt. Nachdem die Straßenverkehrsbehörden keinen Kreisverkehr wollten, soll nun eine Rechtsabbiegespur die Fahrt nach Spandau erleichtern.
Das große Engagement für Nahverkehr und Radfahrer lässt vermuten, dass Jürgen Bigalke die Jugend sehr am Herzen liegt. Das zeigt sich auch daran, dass intensiv Radwege ausgebaut werden, um die Schulwegsicherheit zu gewährleisten. „Im Gegensatz zu anderen Kommunen in Brandenburg haben wir wachsende Einwohner- und Schülerzahlen“, schildert Bigalke die besondere Situation Falkensees. Der Seitenflügel der Europa-Grundschule wurde bereits aufgestockt und modernisiert. Praktischerweise liegt die Schule im Sanierungsgebiet, so dass es für die notwendigen weiteren Baumaßnahmen öffentliche Mittel gibt.
Beim Lise Meitner Gymnasium kann man aus diesem Topf nicht zehren. Dennoch sollen nun fünf Millionen Euro in den nächsten zwei bis drei Jahren in die Modernisierung gesteckt werden. Zuvor dürften etliche Abiturfeiern in der „Diaspora“ erfolgen. Denn während des Umbaus werden die beiden letzten Jahrgangsstufen für
zwei Jahre Gast im Dallgower Gymnasium, damit sie sich ungestört vom Baulärm aufs Abitur vorbereiten können.
Bis zum neuen Schuljahr sollen die Gymnasiasten dafür wieder warmes Mittag genießen können. Dafür wurden die früheren Räume der Schulspeisung aufgemöbelt. Künftig ist der ASB fürs leckere Mittag zuständig, wenn auch nur für die Essensausgabe im früheren Speisesaal.
Da Selberkochen sich „nicht rentiert“ wurden aus der schönen Küche Seminarräume. Wo jahrelang die Töpfe dampften, sollen nun also die Köpfe der ASB-Mitarbeiter rauchen! „Der Altbau der Lessing-Schule steht ebenfalls auf dem Sanierungsplan dieses Jahres“, verrät der Bürgermeister weiter.
Nächste Station ist das frühere Obdachlosenheim in der Ruppiner Straße 107. Daraus soll eine neue Kita werden. Die Ausschreibungen sind gerade im Gange. „Wir haben 17 Kitas in Größen zwischen 40 und 150 Plätzen. Aber das ist immer noch zu wenig“, schildert Bigalke Folgen des Falkenseer Kinderbooms.
Die zuständige Schulamtsleiterin Margot Reeck nennt eine weitere Konsequenz dieses Phänomens: „Wir haben 190 Kinder bei Tagesmüttern in Pflege. Das ist ein Rekord, den uns in Brandenburg bisher niemand nachmachte.“
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Dass der Bürgermeister ein Herz für die Kleinen hat, zeigt sein nächstes großes Projekt: Er träumt davon, dass die frühere Mülldeponie linkerhand an der Straße nach Schönwalde einmal Rodelparadies für die Kinder wird. Der Ausflug auf Falkensees höchsten Gipfel zeigt dreierlei. Erstens hat der Bürgermeister eine tolle Kondition als Gipfelstürmer. Zweitens gehen ihm nie die Ideen aus, denn schon plant er mit Weitblick von oben die Grundstücke zwischen Friedhof und Rodelberg aufzukaufen, um Falkensee zu einer weiteren grünen Oase für die Zukunft zu verhelfen. Und drittens macht er eine ausgezeichnete Figur beim Schlittenfahren, selbst wenn er in der frühsommerlichen Blütenpracht fast unterzugehen droht!
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